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Über Bernburg schrieb der Historiker Dr. Wolf Hepach in der Firmenchronik des Unternehmens, welche zum 150-jährigen Jubiläum erschien: „Wird so bis 1977 der eindrucksvolle Aufstieg der DDR zur Industriemacht auch an den Werken Bernburg und Glöthe sichtbar, lässt sich für die Jahre bis 1989 auch deren dramatischer Niedergang dokumentieren. Zum einen durch die Berichte der damaligen Direktoren, die keinen Zweifel lassen, dass kaum noch Geld für dringend notwendige Reparaturen, geschweige denn Erneuerungen zur Verfügung stand; zum anderen durch die noch heute sichtbare Staubschicht, die über den Häusern der Umgebung liegt.“ Konkret in Zahlen ausgedrückt sollen jährlich bis zu 49 000 Tonnen Staub auf Bernburg niedergerieselt sein.Das sagt viel aus über den Zustand der Werke samt seiner Anlagen, meinte der Chronist, als er die damalige Lage im Rückblick beurteilte.
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Bislang waren ausschließlich Radla-
der im Load- und Carry-Einsatz zu-
gange, den gewonnenen Muschel-
kalk zum Brecher zu bringen, seit
einiger Zeit übernehmen die Mate-
rialtransporte Cat Muldenkipper.
Fotos: Zeppelin
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Bereits kurz nach dem Mauerfall 1989 streckte Dr. Eberhard Schleicher als einer der ersten Unternehmer seine Fühler Richtung Ostdeutschland aus - er suchte nach einer Möglichkeit, wo er in ein Zementwerk investieren konnte. Nach sorgfältiger Prüfung fiel seine Entscheidung für Bernburg. Seit weit über hundert Jahren wird dort Muschelkalk abgebaut - die Zementproduktion kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. In Bernburg trafen qualitativ hochwertige und ausreichende Rohstoffvorkommen auf einen Absatzmarkt mit Zukunftspotenzial. „Dr. Schleicher hat früh erkannt, wie groß der Nachholbedarf bei der Infrastruktur in den neuen Bundesländern war“, so Johann Trenkwalder, als Werksleiter der Werkgruppe Nord für die Standorte Karlstadt und Bernburg verantwortlich.
Zu Spitzenzeiten, als der Aufbau Ost in vollem Gange war, wurden Produktionskapazitäten von zwei Millionen Tonnen jährlich erreicht. Das Werk fuhr Vollauslastung. Um die Produktion danach auszurichten, war es jedoch unumgänglich, das bestehende Werk von Grund auf neu zu bauen und so wurde Bernburg in kürzester Zeit das modernste Zementwerk Europas, nachdem es unter Schwenk 1992 den Betrieb aufnahm. Hohe Standards bei Schwenk führen dazu, dass der Standort bis heute wenig von seinem Stellenwert eingebüßt hat. Aufgrund der heutigen Jahreskapazitäten von rund 1,5 Millionen Tonnen gilt Bernburg noch immer als eines der größten Zementwerke in Deutschland und als einer der führenden Zementhersteller in Europa. „Bernburg ist ein gutes Beispiel, wie unter der Regie von Schwenk und unter der Federführung von Dr. Schleicher ein neues Zementwerk aufgebaut wurde - und das bei laufender Produktion. Davor wurde nur auf Verschleiß gefahren. Investitionen wurden ganz zurückgeschraubt.
Nach der Wende standen gerade einmal ein Brecher, ein Lader und eine Bohrmaschine parat. Aber deren Zustand ist nicht der Rede wert“, so Peter Heinze, als Abteilungsleiter für die Rohaufbereitung verantwortlich. Seit 43 Jahren ist er im Steinbruch beschäftigt und hat seitdem die Entwicklung am Standort Bernburg hautnah mitbekommen.
Das Abbaugebiet teilt sich Schwenk mit der Solvay Sodafabrik, welche den kleinstückigen Kalkstein für die Sodaproduktion gewinnt. „Wir kommen uns nicht in die Quere – eine Markscheide gibt genau unsere Abbaugrenze vor“, erklärt Trenkwalder. Bernburg ist reich an Rohstoffen und wird gemeinhin im Volksmund als Landkreis der vier weißen Pulver bezeichnet. Hergestellt werden nicht nur Zement und Soda, sondern auch Speisesalz und Zucker. Zu den größten Arbeitgebern der Kreisstadt an der Saale zählen neben Schwenk Zement und dem Sodawerk das Steinsalzwerk der esco GmbH & Co. KG, ein Unternehmen der K+S-Gruppe, sowie die Serum-Werk Bernburg AG. Sie sind vier Leuchttürme, die weit über die Grenzen in dem ansonsten strukturschwachen Sachsen-Anhalt hinausstrahlen. Sie ziehen weitere Betriebe und somit sekundäre Arbeitsplätze nach sich. Im Fall von Schwenk sind es viele Transportbetonwerke, die sich im Umkreis angesiedelt haben.Der Einstieg von Schwenk in Bernburg brachte Umstellungen für den Abbau der Rohstoffe mit sich. Waren bislang ausschließlich Radlader im Load- und Carry-Einsatz zugange, den gewonnen Muschelkalk zum Brecher zu bringen, übernehmen die Materialtransporte seit einiger Zeit Cat Muldenkipper. „Aufgrund von Wirtschaftlichkeitsanalysen der Zeppelin Einsatzberatung sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass sich so die Durchsatzleistung des stationären Brechers und der Bandanlagen erhöhen lässt“, führt Johann Trenkwalder aus. Heute wird der Millionen Jahre alte Muschelkalk mithilfe eines Cat Radladers vom Typ 990H auf zwei neue Cat Muldenkipper 775F verladen. „Das neue Konzept hat sich bislang wirklich bewährt, denn somit ist es uns gelungen, die Kraftstoff- und Energiekosten zu halbieren. Auch der Service, den die Zeppelin Niederlassung Magdeburg sicherstellt, ist schnell vor Ort“, ergänzt der Werksleiter.
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