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Um den Auftrag für eine 20 Millionen Euro teure Produktionshalle zu bekommen, sichert ein Bauunternehmer seinem Auftraggeber zu, die 2000 Quadratmeter große Halle binnen eines Jahres in Betrieb nehmen zu können. Ein kapitaler Fehler. „Ein Projekt dieser Dimension braucht sechs Monate Vorlauf“, sagt Gernot Hickethier. Der Doktorand am Karlsruher Institut für Technologie und Management im Baubetrieb veranschlagt allein für die Detailabsprache eines solch komplexen Projekts zwischen Kunde und Subunternehmern zwei Monate.
Weitere acht Wochen Vorlauf erfordere es, zeitliche Abläufe zu koordinieren, sagt der Mitarbeiter von Prof. Fritz Gebauer, der sich seit Jahrzehnten mit Prozessoptimierung auf Baustellen befasst. Wie, wann und wo robustes sowie empfindliches Material, Elektriker, Sanitärleute und Maler in welcher Zahl zum Einsatz kommen, erfordert eine präzise Regie. In der Branche lassen sich laut Experten Prozesse um 30 Prozent optimieren, wenn die Arbeitsvorbereitung alles richtig macht.
Gebauers Lehrstuhl entwickelt insbesondere für die Planungsphase am Bau Methoden, damit Generalunternehmer Fehler früh erkennen und möglichst wenig nachgearbeitet werden muss. Im Fachjargon heißt das „Lean Construction“. Dafür muss das Projektteam so früh wie möglich Planer und Ausführende zusammenbringen. Also bindet ein umsichtiger Projektleiter neben Architekt, Bauherr, Generalunternehmer und Fachplanern insbesondere auch die Poliere der Gewerke ein.
„Der Polier weiß genau, welche Vorarbeiten er benötigt, um in zwei Wochen zum Beispiel das Fundament fertigstellen zu können“, erklärt der Doktorand. Dieses Team muss sich regelmäßig besprechen, die einzelnen Gewerke zweifelsfrei definieren und die Übergabe einzelner Bauabschnitte klären. Der Wirtschaftsingenieur empfiehlt: Den Bau mit einer zentralen Veranstaltung beginnen, in der die Bauarbeiter etwa in Probleme und Gebrauch neuer Geräte und Materialien eingewiesen und auf das Gemeinschaftsprojekt eingeschworen werden.
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Wichtig für den Bauer-
folg sind Strukturen,
die das Projektteam
bereits in der Pla-
nungsphase definiert:
Sie legen etwa fest,
wer den Tiefbau in
welchen Abständen
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Solche Unterweisungen empfiehlt auch Gabor Roth.
Der Vertriebsmann des Seil-, Hebe- und Sicherheitstechnikspezialisten Carl Stahl GmbH aus Süßen, berät vor allem Kunden aus der Baubranche beim Heben und Bewegen schwerer Lasten. Zurrketten, Anschlagmittel, Ladungssicherung – Roths Betätigungsfeld ist weit und seine Produktlösungen umfassen sämtliche Bereiche, die auf Baustellen mit ihren tonnenschweren Lasten und kubikmetervoluminösen Dimensionen besonders augenfällig sind. Da ist viel Spielraum, Zeit zu sparen, Abtransport von Aushub zu beschleunigen oder mittels Lagerlösungen beengten Raum besser zu nutzen.
Eine Studie aus der Baubranche „Projektmanagement im Auf-Bau“ kommt zu dem Ergebnis, dass in fehlender Arbeitsvorbereitung der Grund für mangelnde Renditen liegt. Melich Seefeldt, Autor der Studie, und die Münchner Strategie-Beratung Roland Berger befragten dazu 90 Bauleiter, Planer von Ingenieurbüros, Software-Firmen und Professoren für Baumanagement. Das Ziel: Eine Antwort auf die Frage, wie Bauunternehmen Aufträge besser abwickeln und damit höhere Erträge erzielen. Auch wenn die Befragten als Grund für miese Renditen von 0,1 Prozent die rückläufige Konjunktur vorgeben, sind die größten Probleme laut Studie hausgemacht: Projektleiter erkennen Risiken zu spät, führen das Team unstrukturiert oder koordinieren die Logistik schlecht.
Weil der Bau- als Generalunternehmer agiert, muss er externe Prozesse seiner Subs wie interne betrachten: Dazu zählen knallhartes Controlling, weitsichtige Logistik und konsequente Risikoanalyse. Um ergebnislose Diskussionen und Schuldzuweisungen zu vermeiden, empfiehlt der Karlsruher Doktorand Hickethier, alle Sachverhalte und Baufortschritte fotographisch und schriftlich zu dokumentieren. Und: Verstöße müssen bereits im Vorfeld mit Sanktionen belegt werden, die allen Beteiligten bekannt sind, um sie zu disziplinieren.
Risiken wiederum kann der Projektleiter nur richtig einschätzen, wenn er bei der Auswahl und Berechnung von Aufträgen selbst dabei war und somit Entscheidungskriterien und Hintergründe nachvollziehen kann.
Wichtig für den Bauerfolg sind Strukturen, die das Projektteam bereits in der Planungsphase definiert: Sie legen etwa fest, wer den Tiefbau in welchen Abständen kontrolliert. Wer für die Kommunikation mit dem Logistiker zuständig ist, braucht aus diversen Quellen zu definierten Zeiten seine Einzelinformationen, um dem Dienstleister die entsprechend modifizierten Anweisungen geben zu können.
Mehr lesen Sie in der ABZ 35/10.
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