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Daher fordert er immer mal wieder den Bohrtrupp an: „Bei bindigen Böden bohren wir bis zu 20 Meter am Tag, bei felsigen zwei bis drei.”
Nicht nur bezüglich der Bodenbeschaffenheit muss sich die Mannschaft um Garçon immer wieder auf Überraschungen einstellen. So hatten sich die Pipelineplaner vor Baustart bei den Leitungsbetreibern eingehend über den Verlauf von Kabel- und Rohrleitungen auf der künftigen Trasse informiert und Pläne erstellt, um Schäden im Zuge der Arbeiten zu vermeiden. Doch viele Fremdleitungen lagen entweder nicht dort, wo sie laut den Plänen eigentlich liegen sollten, oder sie waren nirgends vermerkt. „Dass man auf Leitungen trifft, die in keiner Karte verzeichnet sind, ist eher die Regel als die Ausnahme”, erklärt der Bauingenieur.
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Verantworten ein aufwändiges
Großprojekt (von links):
Projektleiter Thomas Garçon
vom Bauunternehmen Max
Streicher aus Deggendorf,
Markus Neumer, Mitglied der
Bauleitung des Bauherren
Wingas, sowie Marco Breiding,
Hauptreferent Trassen-
engineering bei Wingas.
Fotos: Petersen |
Wie praktisch alle Arbeitsschritte lässt er auch die tatsächlichen Leitungsverläufe dokumentieren: „Unsere Daten sind absolut verlässlich.”
Auch sonst ist der Aufwand immens. Beispielsweise wird Wiederverwertung auf der Baustelle großgeschrieben: Mit Kleemann und Sandvik hat das Bauunternehmen Streicher eigens für diese Baustelle einen raupenmobilen Zwei-Walzen-Brecher entwickelt, der auch bindiges Material verarbeiten kann. Der Prototyp, eine 365 Kilowatt starke 60-Tonnen-Anlage, ist bereits seit Januar im Einsatz, ein zweites, leicht modifiziertes Modell soll folgen. Dabei gewinnt nicht nur die Bodenqualität, sondern auch die Umwelt: „Dank des Brechers sparen wir etliche Lkw-Fahrten. Wir bereiten den anfallenden steinigen Grund zu 100 Prozent auf und benötigen nahezu kein Fremdmaterial.”
Der derartig aufbereitete Aushub dient zum Verfüllen des Grabens, denn die Röhre beziehungsweise deren Ummantelung dürfen nicht beschädigt werden, etwa durch allzu grobkörniges Material. Lob gab es bereits von dritter Seite: „Die Landwirte sind mit der neuen Bodenqualität sehr zufrieden.” Unter landwirtschaftlich genutzten Flächen wird das Rohr mindestens einen Meter über Scheitel verfüllt. Bei Gewässern, Wegen und Straßen wiederum liegt der Wert bei 1,50 Metern, meist mehr – je nach Rohrstatik, Bodenklasse etc. „Auf jeden Fall kalkulieren wir immer Sicherheitsreserven ein”, unterstreicht der Projektleiter.
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Die 36 Meter breite
Trasse verläuft – meist
gut erkennbar als
„braunes Band" – über
Felder und Wiesen.
Außerdem quert sie
Straßen, Wege und
Wasserläufe. |
Neben dem Spezialbrecher fallen im Maschinenpark besonders die neun 90-Tonnen-Seitenbaumraupen ins Auge, die die bis zu 1500 Meter langen Rohrstränge in den Graben senken. Sie müssen Einiges an Gewicht bewegen: Die ca. 18 Meter messenden Rohrstücke mit einem durchgehenden Durchmesser von 1,4 Metern wiegen 15,5 Tonnen. 7300 Rohrstücke sind auf beiden Doppellosabschnitten zu verschweißen. Alle Rohre – sie kommen übrigens aus deutscher Produktion – sind dank angebrachter Kodierungen jederzeit lokalisierbar und eindeutig identifizierbar.
Auf den zwölf Lagerplätzen für das Rohrmaterial stehen auch die Biegemaschinen, die bis zu 15,5 Tonnen schwere Segmente kalt exakt nach Erfordernis in den richtigen Winkel biegen können – Voraussetzung dafür, dass die Trasse auch anspruchsvollen Geländeprofilen wie hier folgen kann.
Nicht nur die Maschinen, auch die Röhren gelten als technische Meisterwerke. Sie bestehen aus Feinkornstahl und besitzen eine Mindestdicke von 22,3 Millimetern. Eine Epoxidharzauskleidung innen minimiert die Rauigkeit. „Je glatter die Innenfläche, desto geringer ist der Energieaufwand, um das Erdgas zu transportieren”, erläutert Marco Breiding, Hauptreferent Trassenengineering bei Wingas aus Kassel. „Mit solchen Maßnahmen kann die Energieeffizienz deutlich verbessert werden.” Die Wingas, ein Gemeinschaftsunternehmen der Wintershall Holding und der russischen Gazprom, ist Bauherr der Leitung. Die Wingas-Tochter Opal NEL Transport (ONTG) wiederum wird die Erdgastrasse betreiben. Die Abkürzung NEL steht für „Nordeuropäische Erdgasleitung", die von Lubmin aus - wenn alles klappt - ab 2012 in Richtung Westen führt.
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Blick hinunter nach Olbern-
hau: Durch diesen Ort führt
die Trasse und dann weiter in
die Tschechische Republik. |
Neben einer Innenverkleidung erhält jede Röhre eine schützende, drei Millimeter dicke PE-Außenumhüllung als passiven Korrosionsschutz. Desweiteren werden Einrichtungen des kathodischen Korrosionsschutzes installiert. Entlang der Trasse sind zudem gelbe Messpfähle aufgestellt, und der Verlauf der Trasse wird genau vermessen und dokumentiert. Für die Überwachung ist eine rund um die Uhr besetzte Leitzentrale in Kassel verantwortlich.
Das Großprojekt hinterlässt während der Bauphase deutliche Spuren in der südsächsischen Landschaft: Schon von weitem gut erkennbar als „braunes Band”, verläuft die 36 Meter breite Schneise über Felder und Wiesen. Sie quert Straßen, Wege sowie Wasserläufe. In den Wäldern wird der Arbeitsstreifen auf 30 Meter verringert. Kurz vorm „Finale” geht es in Olbernhau auch noch durch bebautes Gebiet - ungewohnt beengte Platzverhältnisse für Planer und Arbeiter.
Die mehr als 470 Kilometer lange Opal-Erdgastrasse gilt als größtes Bauprojekt Europas. Von Lubmin, wo die Ostseepipeline „Nord Stream" aus Russland kommend die deutsche Küste erreicht, führt sie bis Olbernhau an der tschechischen Grenze. Die Riesenröhre soll ab Ende 2011 ca. 36 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr transportieren - das entspricht etwa einem Drittel des gesamten deutschen Erdgasbedarfs.
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